Central America by Photo
So langsam sind alle Urlaubsbilder entwickelt, begradigt und die ganz Schlimmen aussortiert. Die tollen, und die zu denen man spannende Geschichten erzaehlen kann, gibt es am Donnerstag zu sehen.
Das Count Down macht um 20 Uhr seine Tueren auf, anfangen werde ich wohl so gegen 20.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, aber es hat natuerlich niemand was dagegen, wenn ihr das eine oder andere Bierchen, oder – stilecht – den einen oder anderen Nica Libre konsumiert.
Stadt der Gringos
‘It’s basically a shithole, don’t go there!’, sagt Jake ueber San Jose. Jake ist Amerikaner, aus Denver, und wie viele Amerikaner, die ich hier treffe hat er eine sehr habwuerdigende Haltung gegenueber Lateinamerika.
San Jose ist die groesste Stadt, die ich auf meiner Reise besuche, sie ist auch die Lauteste. Und wahrscheinlich auch die Haesslichste. Am wichtigsten ist aber: Die Stadt ist voller Gringos. Nicht im klassischen Sinne. Es sind weniger Amerikaner in der Stadt, als ich erwartet haette. Die Ticos hier gehen bei McDonald’s und Taco Bell essen, bei Levi’s und American Eagle Klamotten kaufen und selbst der Supermarkt, Mas-x-Meno, ist nur ein Ableger von Walmart. San Jose ist so amerikanisiert, dass man kaum einen Unterschied zu den aermeren US-Staedten, wie Florida City erkennt.
‘Watch your camera! Seriously, watch! Your camera!’, ruft mir ein Amerikaner aus einem riesigen Pick-Up im Barrio Mexico zu. Ich bin etwas von der geschaeftigen Hauptstrasse weg gewandert und ein bisschen aus Versehen in das Viertel gekommen, dass Lonely Planet als ‘dodgy’ bezeichnet. Hier gibt es ein paar Hostels und kleine Tiedas, die in Costa Rica aber als Mini Super bezeichnet werden.
Eigentlich ist in San Jose nur der Park La Sabana sehenswert, aber selbst der ist nur ein Park in einer Grossstadt und koennte sich, wie alles hier, ueberall auf der Welt befinden.
Trotzdem bin ich etwas traurig, als ich die Rampe des Flughafens hoch laufe, es gaebe noch so viel zu sehen in Costa Rica. Und Panama soll auch schoen sein…
Iguanas, Affen und ein letztes Bad
Als ich auf dem Zeltplatz ankomme bin ich bereits voellig durchnaesst. In der Regenzeit wandern zu gehen war nur eine bedingt gute Idee. Ich fuehle mich ein wenig an Vietnam vor einem Jahr erinnert, mit dem Unterschied, dass ich diesmal im Zelt schlafen werde. Immerhin habe ich unterwegs schonmal zwei Rehe gesehen und wegen der Tiere bin ich schliesslich hier.
Helen und Paul bieten mir auf dem Zeltplatz erstmal einen Tee an. Die beiden sind aus England und seit 18 Monaten mit ihrem Land Rover unterwegs. Neben dem Tee baue ich, da es gerade mal nicht regnet, mein Zelt auf. Den Rest des Abends unterhalten wir uns ueber ihre Abenteuer, meine Erlebnisse und den Rest der Welt.
Nach dem Fruehstueck verabschiede ich mich von den Beiden und mache mich auf den Weg zum 12km entfernten Strand. Als der Weg noch eine Strasse ist treffe ich den ersten Iguana. Ein wenig scheu rennt er zuerst vor mir weg, laesst sich dann aber doch fotografieren. Stolz reckt er dabei den kleinen Kopf in die Hoehe.
Die Strasse wird immer schlechter und schlammiger. Ein Zeichen der Regenzeit. Diverse Fluesse ziehen sich ueber die Strasse, einer ist fast Knietief. Im Schlamm finden sich immer wieder Spuren diverser Tiere und ueber mir heulen die Howler-Monkeys. Ein paar Spider Mokeys begleiten mich eine Weile.
Nach fast zweieinhalb Stunden lichtet sich der Wald und die ersten Krabben bevoelkern die Strasse. In der Ferne ist das Meer zu hoeren, und nur 10 Minuten spaeter stehe ich an einem einsamen Traumstrand. Playa Naranjo. Es ist warm und ich habe meine Badesachen nicht eingepackt. Als ob mich das je vom Baden abgehalten haette… Im heissen Sand verbrenne ich mir noch eine Runde die Fuesse und schon erreiche ich – zum letzten Mal fuer diesen Urlab – den Pazifik.
Auf dem Rueckweg mache ich an der Nahe gelegenen Ranger Station eine kurze Pause. Der Ranger sieht mich und wir unterhalten uns fuer ein paar Minuten. Wenn die Leute langsam sprechen ist mein Spanisch gar nicht so schlecht. Zumindest verstehe ich, dass er mir etwas zeigen will. Ich folge ihm in die Kueche und er zeigt auf das Funkgeraet. Okay, mein Spanisch ist doch grottig, ich habe keine Ahnung was er von mir will. Bis ich die Schlange hinter dem Funkgeraet entdecke. Er sagt, sie sei seit zwei Tagen da. Sie verdaut, haette vorher etwas grosses gegessen.
Ich mache mich auf den Rueckweg. Etwa bei der Haelfte faengt der Regen wieder an. White-faced Mokeys und Howler Monkeys begleiten mich. Ein Reh und ein paar Voegel lassen sich blicken. Der Zeltplatz ist leer, als ich dort ankomme. Niemand ist so verrueckt, in der Regenzeit hier zu zelten.
Catchin’ the Waves
San Juan del Sur ist eine Surfstadt. Ueberall gibt es Surfshops, Surfschulen und Surfer. Wer nicht zum surfen hier ist, ist zum Baden hier. Teure Shuttles fahren die Touris an die nahe gelegenen Straende. Eigentlich eine Stadt, die ich meiden wuerde. Einen Strand muss man dann in Nicaragua doch mal mitnehmen und ausserdem will ich doch mal eine Runde surfen.
Gesagt, getan melde ich mich fuer eine Surfing Lesson an, huepfe mit dem Board auf den Pickup und los geht’s zum Strand. Das Wetter und die Wellen sind perfekt, nur ein Problem gibt’s: Kein Surflehrer am Strand. Der eigentliche Lehrer ist krank, und da ich der Einzige bin, wollen sie keinen Anderen schicken. Sie schicken aber dann doch noch jemanden, es soll auch nur eine Stunde dauern. So ist das eben in Central America.
Raul erklaert mir zuerst am Strand die Basics und wir machen eine Weile Trockenuebungen. Danach geht es ab in’s Wasser. Raul gibt mir Zeichen, jetzt das Board drehen und drauf legen. Die Zehen sind im Wasser. Jetzt schwimmen, die Arme immer abwechselnd durch’s Wasser ziehen. Die Welle kommt; 3-4 Sekunden warten, dann aufstehen. Zuerst den linken Fuss anwinkeln, dann darauf aufstehen und den rechten Fuss in die Mitte des Boards setzen. Leicht in der Hocke stehen und das Gewicht leicht nach vorne gelagert. Klingt nicht so schwer.
Die erste Welle kommt, ich paddle, die Welle traegt mich, das Board ist schnell. Ich warte zu lange mit dem Aufstehen. 3-4 Sekunden, nicht 10. Bei der zweiten Welle stehe ich zu frueh auf. 3-4 Sekunden nicht eine. Und das Gewicht mehr nach vorne. Die dritte Welle kommt. Ich paddle, das Board wird schnell, ich zaehle bis 3. Jetzt aufstehen, wacklige Angelegenheit. Ich stehe, yeah, ist das cool.
Concepcion
Es ist 4 Uhr morgens und mein Wecker klingelt. Wer hatte die bloede Idee, diesen Vulkan zu besteigen? Ich quaele mich aus dem Bett und zur Bar des Hostels. Es gibt Sandwiches zum Fruehstueck. Um 5 steigen wir in den Bus zum Trailhead. Der Bus hat Verspaetung und bis wir los laufen ist es halb 6. Sandfliegen fressen uns quasi auf, die Howler Monkeys sind auch schon auf den Beinen.
Wir stoppen immer wieder um Pflanzen und Tiere anzuschauen und so dauert der Aufstieg durch den Urwald etwa 5 Stunden. Dann lichtet sich der Wald und wir kommen in etwa 1000m Hoehe am Lookout an – endlich. Von hier sind es nur noch 600 Hoehenmeter ueber Vulkangestein und Geroell bis zum Gipfel.
Der Wanderweg wird zunehmend steiler, aus den Loechern im Boden steigen Schwefeldaempfe, die alle moeglichen Insekten anziehen und hin und wieder verdecken Wolken die Aussicht. Schritt fuer Schritt kaempfen wir uns nach oben, ausser unseren Schuhen auf dem Stein und dem eigenem Atem gibt es kein Geraeusch. Der Wind bringt mehr Schwefelgeruch. Concepcion ist zwar ewig nicht ausgebrochen, trotzdem gilt er als aktiv.
Als wir den Gipfel endlich erreichen ist es halb 12. Die Aussicht ist genial, man sieht bis zum Mombacho der bei Granada steht. Leider sind am Gipfel so viele Insekten, dass wir nur schnell ein paar Fotos machen und dann schon den Abstieg antreten.
Wir gehen den gleichen Weg zurueck. Der Abstieg ist zwar weniger anstrengend, aber es dauert trotzdem fast genauso lang. Vorsicht ist auf den steilen Steinen geboten. Kurz oberhalb des Lookouts kommen uns ein paar Amis entgegen. Wir unterhalten uns eine Weile. Sie wollen noch zum Gipfel.
Wieder am Lookout machen wir eine weitere Pause. Ein Bier waere jetzt toll, dummerweise habe ich keins mit. Naja, ich freue mich einfach auf Moyogalpa und einen grossen Bananen-Milk-Shake. Und danach Bier. Genauso kommt es dann auch. Mit Matthieu mache ich mich zum Ausklang des Tages auch ueber die Nica Libre fuer 15 Cordoba her. Viva la revolucion!
Isla de Ometepe
Die Nachbarschaft ist etwas komisch, aber das Hostel auf der Isla de Ometepe ist die Art Hostel, in der man es eine Weile aushaelt. Eine bunte, luftige Bar mit bezahlbarem Bier, freundliche Leute und Haengematten im Hinterhof. Ein paar Tiere, die aussehen als waeren sie zu klein geratene Rehe laufen im Hinterhof, zwischen vier Affen, auch rum. Die Umweltbehoerde hat sie her gebracht, das Hostel hat ein kleines Sanctuary.
Einer der Volunteers, der Herr Professor, erzaehlt mir von seiner Zeit in Deutschland. Er hat in den 80ern ein paar Jahre gegen die Mauer protestiert, er sagt er stand jedes Jahr am selben Fleck und wurde jedes Jahr vom selben Polizisten verhaftet. Als die Mauer dann fiel, war er zufaellig gerade in Berlin und trifft den Polizisten, der ihn spontan zu sich einlaedt. Waldrettungsprojekte im Schwarzwald sind die naechsten Geschichten, ich merke nicht, dass es draussen dunkel wird.
In einem kurzen Gespraech mit dem Koch / Guide des Hostels wird mir klar, dass es keine gute Idee ist den Vulkan allein zu besteigen. Die Wege sind schlecht markiert und in schlechtem Zustand. Leider gibt es derzeit auch keine Gruppen, es ist low season und es ist keine Sau hier.
Ich entscheide mich also fuer den naechsten Tag ein Fahrrad auszuleihen und fahre um den Vulkan herum, statt auf ihn drauf zu gehen. Anfangs ist die Strasse gerade mal ein besserer Feldweg, ich ueberhole einheimische Radfahrer und diverse Bauern die Rinder durch die Gegend treiben. Grimmige Maenner, allesamt mit Macheten, kommen mir entgegen und gruessen freundlich, waehrend ich mich den Anstieg hoch kaempfe. Mit zwei Ochsen pfluegt ein Bauer die Strasse. Ein Nica kommt mir entgegen, auch er treibt zwei Rinder ueber die Strasse. Die Zuegel seines Pferdes in der einen Hand, seinen MP3-Player haelt er in der Anderen. Laessig baumelt seine Machete von seiner Huefte. ‘Hola!’, begruessen wir uns grinsend.
Gegen Ende der etwa 30km langen Runde um die Insel mache ich eine Pause am Strand. Drei Bananen zum Mittag und eine Runde im Lago de Nicaragua schwimmen. Die Pause ist kuerzer als geplant, der Strand zieht Unmengen von Muecken an. So fluechte ich am fruehen Nachmittag zurueck in das Hostel mit den bunten Tischen und den bequemen Haengematten.
Als ich zurueck komme sitzen Matthieu und Djiro bei einem Bier im Garten. Djiro hatte ich bereits in Leon kennen gelernt. Die beiden sagen, sie wollen am naechsten Tag auf den Concepcion, den 1600m hohen Vulkan der Insel. Meine Zeit auf der Insel wurde gerade um einen Tag velaengert.
Masaya und die Laguna de Apoyo
Der Traveller Alltag kehrt langsam ein. Heute gab es keine Abenteuer, nur ein Besuch in Masaya auf dem Mercado de Artisans und ein Hitch-hike zur Laguna de Apoyo. Per Anhalter durch ein Land zu fahren gehoert schliesslich zu jedem guten Backpacker Urlaub dazu. Auch wenn’s nur eine kurze Strecke ist.
Masaya ist keine schoene Stadt. Der Markt der Kuenstler ist aber recht nett. Hier gibt es neben Holzfiguren und Masken eine ganze Menge Haengematten zu kaufen. Fuer den Raucher mit komischem Geschmack gibt es ausgestopfte Krokodile die einen Aschenbecher in der Hand halten.
Vom matschigen Busbahnhof aus starten wir, eine Shopping-Tour spaeter, in Richtung der Laguana de Apoyo. Der Bus faehrt allerdings nur bis zum Eingang des Parks. Die Strasse zur Laguna ist sehr unsicher, angeblich werden hier regelmaessig Leute ausgeraubt. Laufen faellt daher aus und wir versuchen ein paar Autos anzuhalten. Es dauert aber nur fuenf Minuten bis uns jemand mit nach unten nimmt.
Trotz des leichten Regens ist die Lagune super. Das Wasser ist angenehm warm und klar. Es ist zwar nicht so strahlend blau, wie bei Sonnenschein, aber mit ein wenig Phantasie kann man sich das auch in der Regenzeit ausmalen.
Auf dem Pfad des Puma
Am Rande des Lago de Nicaragua, etwa 1300m hoch, wacht der Vulkan Mombacho ueber die Stadt Granada. Granada ist mit seinen etwa 100.000 Einwohnern eine der groesseren Staedte Nicaraguas. Wegen der Lage direkt am See und des guten Klimas ist Granada auch unter Touristen beliebt.
Mit dem Chicken Bus fahre ich etwa eine halbe Stunde aus der Stadt zum Fusse des Mombacho. Dort erwartet mich eine grosse Menschenmenge, die Meisten tragen die weissen T-Shirts der FSLN. Es ist eine Wahlkampfveranstaltung, el Presidente, Daniel Ortega, persoenlich wird sprechen. Ich denke mir nichts weiter und mache mich auf die 6,5km zur Forschungsstation zu erklimmen.
Die Strasse ist steil und ich brauche fast 2 Stunden und viele Pausen bis ich endlich oben bin. Oben habe ich die Wahl zwischen dem Krater Pfad und dem Pfad des Pumas. ‘Do not enter Puma trail without a guide.’ Steht in grossen, gelben Lettern am Eingang des Puma Trail.
Ich mache eine Pause, geniesse die Aussicht und esse eine Banane. Es ist erst um 12 und ich habe nicht viel zu tun. Den Spaziergang um den Krater habe ich schon gemacht, aber es gibt noch einen zweiten Krater, mit Kratersee. Den wollte ich eigentlich schon sehen, aber das ist nur vom Puma Trail aus moeglich. Der Guide soll 10$ kosten.
Ich binde mir also die Schuhe zu. Nur damit ihr das Ausmass versteht nochmal: Ich habe meine Schuhe ordentlich zu gemacht..
Dann laufe ich los. Der Puma Trail soll 4km lang sein, und 4 Stunden dauern. Der Weg ist gut markiert und manchmal etwas glitschig. Alles in allem kein Problem, wofuer man da einen Guide brauchen soll, weiss ich bis heute nicht. Immerhin war die Aussicht ziemlich gut.
Nachdem ich den Puma Trail ueberlebt habe mache ich mich zwei Stunden spaeter auf den Rueckweg. Die steile Strasse abzusteigen ist anstrengender als der gefaehrliche Puma Trail. Unten angekommen ist die Rede des Praesidenten gerade vorbei und ich finde mich mitten in einer Menge begeisterter Nicaraguaner wieder. Die komplette Strasse ist voller Menschen, ein Bus wird hier wohl eher nicht fahren. Ich kaufe also an einem der zahlreichen Staende ein Toña und laufe in Richtung Granada, weiter als 10 Kilometer kann es unmoeglich sein.
‘Hey, my friend.’ Jemand gibt mir die Hand. Der eine oder andere Einheimische hat sich offensichtlich gut vom Rum ernaehrt, waehrend der Presidente gesprochen hat. Mit Andy unterhalte ich mich eine Weile und irgendwann faehrt vor uns sogar ein Bus ab. Wir rennen los und huepfen durch den Notausgang hinten rein. Der Bus nimmt uns bis Granada mit. In Granada ist es ruhig und ich goenne meinen Beinen ein wenig Pause bevor ich mich Abends mit Charlotte, Anne und Mady bei Toña Literflaschen und Tostadas staerke.
Spaeter besuchen wir eine Kunstaustellung eines lokalen Kuenstlers und danach eine Bar. Bei Nica Libre und Flor de Caña auf Eis wurde der Abend dann etwas laenger als geplant.
Nica Libre
Es braucht nur ein Stichwort um uns die Sicherheit und den Komfort des internationalen Busses verlassen zu lassen: Leon. Der Bus haelt, wir verlassen die spanische Version von Indiana Jones auf dem Fernseher und die komfortablen Sessel und vorallem: Das Dach ueber unseren Koepfen und springen hinaus in den stroemenden Regen.
Der Express-Bus von San Pedro Sula braucht 14 Stunden bis er in Leon ankommt. Uns trennen nun 600km und die Grenze zwischen Honduras und Nicaragua von unserem Abfahrtsort.
Ich schnappe meinen Rucksack und betrete die Tankstelle. Suchend blicke ich mich um, bis ich versteckt in der Ecke einen Geldautomaten finde. Endlich wieder ein paar Scheine im Portemonaie. Ich hatte an der Grenze schon 4 Lempiras zu wenig um die Departure Tax fuer Honduras zu bezahlen.
Geld holen und wieder raus, bloss nicht in Versuchung geraten etwas zu kaufen. Ich muss ein bisschen auf mein Budget achten. Das schnelle Reisen in Gutatemala und Honduras macht sich auf meinem Konto sehr deutlich bemerkbar. Trotzdem teile ich mir mit den anderen ein Taxi zum Hostel. Der erste Taxifahrer will 40 Cordobas, das Doppelte des normalen Preises. Wir fragen einen Anderen. 20 Cordobas. In Ordnung. Sein Taxi ist ein klappriges, altes, amerikanisches Auto. Hin und wieder brausen wir durch Pfuetzen so tief, dass man Angst hat, dass das Auto sich mit Wasser fuellt.
Im Hostel begruesst mich Raul, er stammt aus Nicaragua, traegt Rastas und ein spanisches Fussball-Trikot. Dreimal duerft ihr raten von welchem Spieler. Raul ist ein freundlicher, lockerer Typ. Er erzaehlt, dass gerade der Blitz in’s Hostel eingeschlagen hat, der Fernseher und der Router seien dabei drauf gegangen.
Am naechsten Tag erkunde ich Leon, die alte Hauptstadt Nicaraguas. Der Markt steht als erstes auf dem Plan. Ueberall gibt es Bananen. Willkommenes Fruehstueck. Fuer das Abendessen kaufe ich Avocados, Tomaten, eine Zwiebel, eine Limette und etwas Chilli. Dazu Tortillas. Vom Markt geht es zum Platz vor der Kathedrale und dann ziellos durch die Seitenstrassen. Ueberall stehen Kirchen, teils prachtvoll, teils verfallen.
Des herumlaufens muede besuche ich das Museum der Mythen und Legenden. Hier werden einige Figuren traditioneller Mythen und Legenden ausgestellt, viel interessanter ist aber die Geschichte des Hauses indem sich das Museum befindet. Es heisst “El 21″. Bennant nach dem Baujahr, 1921. Das Gebaeude war ein Gefaengniss, zunaechst fuer schwere Straftaeter und psychisch Kranke, spaeter vorallem fuer politische Gefangene. Hier wurde viel und grauenvoll gefoltert, bis das Gefaengniss 1979 von den Sandistas befreit wurde.
Am Nachmittag statte ich der Kathedrale einen weiteren Besuch ab. Bei meinem ersten Besuch am Morgen war sie geschlossen und ein ganzer Haufen wichtiger Leute stand davor. Es sah ein bisschen aus, wie Wahlkampfauftakt, denn danach wurden ueberall in der Stadt Plakate verschiedener Politiker angekleistert und Laternenmasten wurden in der Farben der Sandistas, schwarz und rot, gestrichen.
Die Kathedrale ist einfach gehalten. Als sie im 16. Jahrhundert erbaut wurde, hatten die einheimischen Bauherren Angst, die Spanier wuerden einen Bau untersagen, sollte die Kathedrale zu prachtvoll sein.



































