Es war ein langer Tag. Am morgen war ich noch mit Jon unterwegs. Doch dann sind wir jeder unseres Weges gezogen. Jon wollte in Richtung Hong Kong und dann weiter nach Norden und irgendwann nach Japan. Mich zog es nach Guizhou, in Chinas Hinterland. Am Busbahnhof hatte ich eine Fahrkarte nach Diping gekauft, zumindest glaubte ich das. Sicher war ich mir erst, als der Busfahrer irgendwann anhielt, mich anschaute und sagte: "Diping!" Ich war an meinem naechsten Ziel angekommen. Ich wusste nur nicht wo.

Ein wenig nervoes war ich schon, als ich mit all meinen Sachen in diesem Dorf aus dem Bus stieg und keine Ahnung hatte, ob ich hier wieder weg kommen wuerde. Meine einzige Hoffnung, war die Language-Sektion meines Reisefuehrers und die 2,5 Worte Mandarin, die ich mir inzwischen gemerkt hatte. Darunter "qiche", das Wort fuer Bus.

Egal, ich war nun einmal hier. Also raus aus dem Bus und die Gegend erkunden. Ich lief also die Hauptstrasse runter und bog irgendwo ziellos ab und wanderte durch das Dorf. Eine Seitenstrasse brachte mich zur Wind and Rain Bridge und zu Reisfeldern. Drei Kids freuten sich tierisch mich zu sehen und wollten unbedingt, dass ich ein Foto von ihnen mache. Sie posierten und machten das Peace-Zeichen; wie Chinesen das auf Fotos fast immer tun. Kaum hatte ich das Foto gemacht rannten sie weg.

Fuer mich wurde es Zeit nach einem Bus in den naechsten Ort, zu meinem eigentlichen Ziel, zu suchen. Im Dorf gab es keinen Busbahnhof, fuer mich eine neue Erfahrung in China. Die Leute im Dorf verstanden mich entweder nicht, oder erzaehlten, dass es keinen Bus gibt. Langsam wurde es spannend, und ich entschied mich einfach loszulaufen. Es gab nur eine Strasse und irgendwo wuerde ich schon ankommen.

Durch ein wunderbares kleines Tal sollte ich den Rest des Nachmittags wandern. Durch verschiedene Doerfer, in denen Menschen nett und vorallem neugierig gruessten. Ich fragte ein schuechternes Maedchen, ob die Strasse nach Zhaoqing fuehrt. Sie lachte unsicher; und nickte dann.

Die Menschen waren freundlich, interessiert, aber auch verwundert, ueber den komischen Weissen, der da so unvermittelt in ihrem Tal aufgetaucht war. Ich, der komische Weisse, fuehlte mich ein wenig verloren, allein und auch ein kleines bisschen hilflos. Ich hatte keine sinnvolle Karte, keine Ahnung wie weit Zhaoqing weg war. Ich hatte nicht genug Essen fuer erwartete zwei Tage Wanderung und kein Zelt fuer eine Uebernachtung. Die deutlichen Spuren von Erdrutschen am Strassenrand trugen auch nicht gerade dazu bei, dass ich mich besser fuehlte. Ich hoffte darauf, noch einen Bus zu finden.

Doch was soll's, ich war nun einmal hier, hatte die Entscheidung getroffen ueber die Doerfer nach Guiyang, Guizhous Hauptstadt zu fahren und es gab kein zurueck mehr. Ein bisschen Zeit hatte ich ausserdem. Was sollte schon passieren?

Am Ende fand ich keinen Bus. Ich brauchte allerdings auch keinen. Ein freundlicher Chinese nahm mich auf seinem Motorrad mit und fuhr mich ueber den Pass, die kompletten 50km bis Zhaoqing.